Cowboys entführen einen Punkt von der Waldau – 10 Second Run Off Regel beendet Spiel und sorgt für Verwirrung bei den Zuschauern

34: 34 endete das Heimspiel der Stuttgart Scorpions gegen die Munich Cowboys im letzten Jahr, und so selten ein Unentschieden im American Football auch ist, auch in 2013 brachten beide Teams das Kunststück fertig, das Spiel mit einer Punkteteilung zu beenden. Allerdings stand die Partie, die 840 Zuschauer verfolgten, bis kurz vor Schluss auf des Messers Schneide, und beide Mannschaften hatten in diesen letzten Minuten die Chance auf den Sieg – doch weder die Schwaben noch die Bayern nutzten diese, so dass das Ergebnis durchaus als gerecht anzusehen ist.

Zu Beginn überrumpelten die Gäste die Scorpions förmlich, Head Coach James Craig ließ seine Mannen mit einer No-Huddle-Offense agieren und Dank einer zu diesem Zeitpunkt übermächtigen Offense Line, konnte Running Back Fabien Gärtner die Stuttgarter Defense ein ums andere Mal düpieren und den Ball nach und nach bis an die Stuttgarter 13 Yard Linie tragen. Dort hielten die Gastgeber dem Druck der Gäste aber Stand, so dass lediglich ein 30 Yards Field Goal durch Robert Werner die Folge war.

Nicht minder explosiv legte die Stuttgarter Offense um Quarterback Tom Schneider los: Beim ersten eigenen Spielzug, beginnend an der eigenen 35 Yards Linie, bediente er Receiver Michael Tober über 65 Yards hinweg, direkt in die Münchner Endzone, so dass es 7:3 (PAT Wurster) stand. Dies sollte jedoch die letze Führung der Scorpions in diesem Spiel gewesen sein, denn die Cowboys agierten weiterhin mutig und frech, und kamen so kurz vor Ende des ersten Quarters zur 10:7 Führung nach einem Pass von Patrick Carey auf Garret Andrews (PAT Werner).

Im zweiten Quarter sah es dann gar nicht mehr gut aus für die Gastgeber, zunächst sorgte Robert Werner mit seinem zweiten Field Goal des Tages für das 13:7, ehe kurze Zeit später der Tiefpunkt des Spiels aus Stuttgarter Sicht erreicht war: Bei einem Puntversuch von der eigenen 27 Yard Linie aus, flog der Ball beim Snap über Punter Matthias Scheuring hinweg bis in die eigene Endzone. Dort konnte er ihn zwar unter Kontrolle bringen, doch konnte die Münchner Defense den Ball, Scheurings Versuch ihn zu punten, blocken und ihrerseits unter Kontrolle bringen, so dass dies den Touchdown zum 20:7 für die Cowboys bedeutete. Mitunter konfus wirkte zu diesem Zeitpunkt die Stuttgarter Verteidigung, und dass der etatmäßige Running Back Thomas Metzger, der an diesem Tag als Middle Linebacker aktiv war, bis dato zu den besten Akteuren der Defense zählte, spricht Bände, auch wenn dies die starke Leistung von Metzger keinesfalls schmälern soll.

Rechtzeitig aber fingen sich die Hausherren dann und nahmen den Kampf endlich an. Dass sie damit ihr Glück förmlich erzwangen, zeigte sich schließlich mit dem Pausenpfiff: Quarterback Schneider wollte den Ball von der Münchner 1 Yard Linie in die Endzone tragen, verlor ihn aber wenige Zentimeter davor – doch Offense Liner Michael Messner war zur Stelle, brachte den Ball auf der Münchner Goalline in seinen Besitz, so dass es mit 14:20 (PAT Wurster) aus Stuttgarter Sicht in die Pause ging.

Im dritten Quarter sollten dann keine weiteren Punkte fallen, beide Verteidigungsreihen stoppten die Angriffsbemühungen der gegnerischen Offense ein ums andere Mal. Erschwerend kam hinzu, dass die Scorpions sich durch Strafen selbst in Bedrängnis brachten und so etliche gewonnene Yards wieder herschenken mussten.

Kurz nach Beginn des vierten Quarters wurden sie jedoch wieder für ihren Kampfgeist belohnt, Tom Schneider, der sein Team unermüdlich antrieb, erzielte mit einem Lauf das 20:20, der folgende Extra Punkt Versuch von Sascha Wurster wurde jedoch von der Münchner Verteidigung geblockt – ein verpasster Punkt, der noch schmerzen sollte. Beiden Mannschaften war deutlich anzumerken, dass sie sich nicht mit einem Punkt begnügen wollten und die Cowboys waren die ersten, die die Chance hatten, das Spiel für sich zu entscheiden: 1:32 Minuten vor Schluss hatte Robert Werner aus 42 Yards das Field Goal zum 23:20 auf dem Fuß, doch dieses Mal war er nicht so zielsicher wie zuvor und traf nur den linken Pfosten. Nun waren also nochmal die Gastgeber am Zug, doch auch ihnen sollten keine weiteren Punkte mehr gelingen. Zwar gelangten sie bis an die 26 Yard Linie der Cowboys, wenige Sekunden vor Schluss mussten sie hier jedoch eine Holding-Strafe gegen sich hinnehmen – verbunden mit der 10 Second Run Off Regel, laut der zu einer Strafe innerhalb der letzten zwei Minuten vor Pause oder Abpfiff noch 10 Sekunden von der Uhr abgezogen werden, markierte dies das Spielende, so dass die Aufholjagd eben nur mit einem Punkt anstatt der gewünschten Zwei belohnt wurde.

Dies führte natürlich zu hängenden Köpfen bei den Scorpions, zugleich muss man statieren, dass die Cowboys sich diesen Punkt redlich verdient hatten. Und hätten sie nach dem ersten Quarter nicht die Taktik aufgegeben, überwiegend auf das Laufspiel zu setzen, dann wäre gewiss mehr möglich gewesen. Zwar war das Münchner Passspiel an diesem Tag durchaus akzeptabel, doch versagte es in den entscheidenden Momenten ein ums andere Mal, während die Stuttgarter Defense mit dem Laufspiel ihrer Gegner bis zum Ende hin ihre liebe Müh‘ und Not hatte. Ein Wermutstropfen für beide Teams waren die Verletzungen zweier ihrer Schlüsselspieler: Auf Stuttgarter Seite musste Running Back Pushaun Brown das Feld vorzeitig verlassen, während der Münchner Quarterback Patrick Carey sich ebenfalls eine Blessur zuzog, jedoch das Spiel, anders als Brown, auch zu Ende bringen konnte.