In seinem mittlerweile siebtem Jahr bei uns ist Defensive End Corey Chapman. Der 31-Jährige US-Amerikaner, der mittlerweile auch sehr gut Deutsch spricht, ist von der starken Saison nicht überrascht. Im Interview spricht er über seine Ziele für die restliche Saison und redet über einen guten Freund beim VfB Stuttgart.

Scorpions: Hallo Corey, ihr steht aktuell auf Platz drei in der GFL Süd. Hast du damit vor der Saison gerechnet?

Chapman: Ja, wir stehen gerade gut da als Tabellendritter. Ich glaube für viele Leute und viele Fans ist das vielleicht eine Überraschung, vor allem nach dem was wir letztes Jahr gemacht haben. Wir haben aber schon damit gerechnet, denn im Endeffekt sind wir diejenigen, die quasi seit dem Spiel in Ravensburg im letzten Jahr sehr, sehr hart gearbeitet haben und wir wussten, was eigentlich möglich war und was wir leisten können. Wir haben uns verschiedene Ziele gesetzt und haben hart gearbeitet um diese zu erreichen.

Scorpions: Was läuft besser als in der letzten Saison?

Chapman: Im Endeffekt haben wir nicht so viel anders gemacht dieses Jahr. Es sind die gleichen Coaches, die gleiche Offense, die gleiche Defense – das hat viel ausgemacht. Natürlich haben wir auch neue Spieler geholt. Es sind auch viele Spieler aus der eigenen Jugend hochgekommen, die viel für uns spielen wie zum Beispiel Nick Wenzelburger. Gabriel Kalus kam ja auch wieder aus Braunschweig. Wir haben auch neue Importspieler verpflichtet mit Marcus Bratton, der die meisten Interceptions in der GFL gefangen hat, und mit Tyler Cooperwood in der Offense. Und dann siehst du ja auch Spieler, die letztes Jahr da waren und die sich in der Vorbereitung mega entwickelt haben, wie unter anderem Running Back Bryan Yankson. Diese Konstanz ist das, was eigentlich besser läuft als im letzten Jahr.

Scorpions: Du selbst hast auch im Vergleich zur letzten Saison einen Sprung gemacht. Wie erklärst du dir das? Und was willst du persönlich diese Saison noch erreichen?

Chapman: Ich muss sagen, dass letztes Jahr für mich echt eine Ausnahme war. Ich kam nach einer sehr, sehr schweren Verletzung zurück und ich habe nach einem doppelten Achillessehnenriss 2017 fast ein Jahr keinen Einsatz gehabt. Daher konnte ich letztes Jahr nur die letzten fünf oder sechs Spiele spielen, aber für mich persönlich war es wichtig, dass ich meinen Rhythmus wiederfinden konnte bevor wir mit der Vorbereitung angefangen haben. Dieses Jahr ist also für mich eigentlich mein Standard. Was ich anders gemacht habe ist, dass ich in jedem Training versuche, meine Schwäche zu finden, weil es immer Möglichkeiten gibt, um sich zu verbessern. Sonst habe ich halt das gemacht, was ich immer mache. Das ist viel beten und hart und konzentriert trainieren.

Meine Ziele in diesem Jahr sind die Playoffs, wobei das eher ein Teamziel ist. Mein persönliches Ziel ist, dass ich Sack Leader in der GFL sein will. Das ist aber auch eher ein Teamziel, weil das kriege ich nicht hin, ohne meine Mitspieler in der Defense.

Scoprions: Probleme habt ihr noch in der Run Defense. Woran liegt das und was müsst ihr als Team dort noch besser machen?

Chapman: Ja, Probleme in der Run Defense hatten wir auf jeden Fall in den letzten Spielen. Woran das liegt? Also unsere Defense ist eigentlich stark, wenn sie zusammen beziehungsweise als Einheit spielt. Das gehört auch zum Football, aber zurzeit spielen wir ohne viele Stammspieler. Konstantin Katz war in Marburg nicht da und wir haben da noch ein paar weitere Verletzungen in der Defense. Es ist also wichtig, dass die Spieler wieder fit sind. Ansonsten versuchen wir unsere jüngeren Spieler weiterzuentwickeln, dass wenn sich ein Spieler verletzt, weniger Drop-Off einstellt. Das ist sehr wichtig in den letzten sechs Spielen, weil noch alles offen ist.

Scorpions: Du selbst arbeitest neben deiner Tätigkeit bei uns auch bei der Jugend des VfB Stuttgart als Athletiktrainer. Wie kam es dazu?

Chapman: Ja, ich arbeite beim VfB als Athletiktrainer. Ich bin eigentlich bei der Jugend und dort verantwortlich für die U14 bis U16. Davor habe ich als Sportwissenschaftler mit Fußballern privat trainiert und ich habe dann auch Profis gehabt wie Timo Baumgartl, der ja beim VfB spielt und mittlerweile ein sehr guter Kumpel von mir ist. Ich wollte gerne in der Teambetreuung arbeiten und da gab es eine Möglichkeit beim VfB. Ich habe mich dann beworben und das hat sofort gepasst. Ich bin dort sehr zufrieden, es macht Spaß und ich habe Glück, dass ich mit Footballern und Fußballern arbeiten darf. Natürlich arbeite ich auch mit Sportlern von anderen Sportarten zusammen, aber das sind die beiden Hauptsportarten. Es gibt dabei zwar viele Unterschiede, aber es ist auch gut für mich, weil ich kann dann manchmal Sachen vom Football für meine Fußballer nehmen kann. Dasselbe geht natürlich auch andersherum.

Scoprions: In einem jungen Team gehörst du mit 31 Jahren schon zu den erfahrenen Spielern. Wie hilfst du den Jungs und wie lange möchtest du selbst noch spielen?

Chapman: Mit 31 bin ich schon etwas älter, aber ich versuche einfach ein Leader zu sein. Ich habe echt Glück, also Gott sei Dank, dass ich meine Erfahrung habe als Profi-Spieler hier in Europa und auch als Spieler in der Division I in Amerika. Dadurch habe ich, wie gesagt, viel Erfahrung und ich versuche diese zu nutzen. Ich will das einfach alles weitergeben, aber wichtig ist auch, dass ich ein guter Leader bin und dass wenn die jungen Spieler älter sind, auch diese gute Leader werden. Es ist daher wichtig für mich, dass ich ihnen das weitergebe. Es kommt auf Kleinigkeiten an, also wie man hart trainiert und wie man sich in der Vorbereitung konzentriert. Das versuche ich vorzuleben und zu vermitteln. Es gibt auch die anderen Team Captains, Nils Stockinger, Fabian Weigel, Konstantin Katz – ich glaube, wir machen alle einen guten Job und wir versuchen immer, gute Leader zu sein und auch den anderen beizubringen, wie man ein guter Leader ist, sodass die jungen Spieler das dann auch können.

Ich sage immer, dass ich noch so lange spielen möchte, bis es keinen Spaß mehr macht. Das kann ich mir aber nicht vorstellen. Daher werde ich wohl aufhören, wenn ich mein Standardniveau nicht mehr halten kann.

Scorpions: Was denkst du ist in dieser Saison noch möglich?

Chapman: Es ist auf jeden Fall noch viel möglich in diesem Jahr. Was wichtig ist, dass sich alle Spieler in den letzten Spielen noch weiterentwickeln. Ich glaube dadurch ist viel möglich und wir haben in der Mannschaft gesagt, dass wir auf jeden Fall die Playoffs erreichen wollen. Das ist drin. Heimrecht wäre auch gut und wichtig, aber es ist wie gesagt wichtig, dass wir als Mannschaft und jeder Spieler versucht, sich zu entwickeln. Die letzten sechs Spiele sind nicht einfach. Da ist also noch viel möglich.

Text: SM

Fotos: Sarah Philipp