Sebastian Blase führte die U19-Jugendmannschaft der Stuttgart Scorpions in diesem Jahr zum ersten Mal als Headcoach an. Nach dem Ende der Saison haben wir Sebastian getroffen und mit ihm unter anderem über seine Erfahrungen, Pläne für die neue Saison und Besuch aus der NFL gesprochen.

Scorpions: Hallo Sebastian, in deinem ersten Jahr als Head Coach der U19 seid ihr Vierter geworden. Wie fällt dein Fazit deines ersten Jahres aus?

Blase: Erstmal muss ich vorab einräumen, dass das sportliche Ergebnis verglichen mit der vergangenen Saison enttäuschend ist. Wir waren im vergangenen Oktober mit einer jungen Coaching Crew, vielen jungen Talenten und hohen Zielen in die Vorbereitung gestartet. Leider konnten wir das Potential welches im Kader steckte nicht voll ausschöpfen.

Scorpions: Warum hat es im Vergleich zur letzten Saison in diesem Jahr nicht zum Junior Bowl gereicht?

Blase: Wenn man sich die einzelnen Spiele über die Saison und den Spielverlauf der einzelnen Spiele anschaut sieht man, dass wir in vielen Partien bis ins vierte Quarter noch im Spiel waren. Im Season Opener zuhause gegen Fürstenfeldbruck stehen wir mit etwas mehr als 30 Sekunden auf der Uhr beim Stand von 20:26 drei Yards vor der gegnerischen Endzone und lassen uns „intercepten“. Das erinnert mich an einen noch nicht allzu lange vergangenen Superbowl. In Freiburg und In Fürsty ist es ein 1 Score Game im vierten Quarter. Gewinnen wir diese drei knappen Spiele, steht man mit einem 6-2 Record in den Playoffs, verliert man ist man, wie wir jetzt, nur Vierter. So ist nun mal Football, die anderen Mannschaften spielen auch mit, um zu gewinnen. Zudem mussten wir aufgrund einiger kurzfristiger, personeller Abgänge im Coaching Staff umstrukturieren. Solche Umbrüche während der Vorbereitung bringen immer Risiken mit sich, waren aber meines Erachtens nach notwendig und richtig!

Scorpions: Zu Beginn der Saison ist das Spiel gegen die Freiburg Sacristans aufgrund von schlechtem Wetter abgesagt worden. Inwiefern hat euch das Spiel als Vorbereitung auf das Spiel gegen die Fursty Razorbacks gefehlt?

Blase: Grundsätzlich bereiten wir uns immer auf den nächsten Gegner vor, weil das nächste Spiel immer das Wichtigste ist! Insofern hat der Ausfall des ersten Spiels keine Auswirkungen gehabt, was das Zeitmanagement angeht. Das Spiel gegen die Freiburger als „Vorbereitung“ zu bezeichnen, wird dem Gegner zudem nicht gerecht. Die Sacristians sind ein starkes, gut gecoachtes Team, die uns auch in der vergangenen Saison zweimal einen harten Kampf geliefert haben (und uns in Freiburg ein Unentschieden abgerungen haben). Man versucht jedoch über die Vorbereitung schon einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen, damit die Spieler und Trainer zum Saisonstart mental top fokussiert sind. Wenn dann so ein Spiel abgesagt wird, fällt man erstmal kurz in ein Loch. Ich hatte dann die ganze Woche vor dem Fürsty-Spiel das Gefühl, dass wir uns schwer getan haben, dort wieder rauszukommen, und das zeigte sich auch im Spielverlauf, als wir zuerst 00:20 zurück lagen, bevor wir das Footballspielen angefangen haben.

Scorpions: Was möchtest du in der kommenden Saison besser machen, um wieder in die Playoffs zu kommen?

Blase: Grundsätzlich müssen wir versuchen, die knappen Spiele zu unseren Gunsten zu entscheiden. Dazu braucht es in den wichtigen Situationen Erfahrung und abgeklärte Entscheidungen. Eine weitere wichtige Baustelle in der kommenden Off-Season wird die Line auf beiden Seiten des Balles, denn Spiele werden immer noch in den so genannten „trenches“ (der Bereich zwischen der Offensive und Defensive Line und unmittelbar drum herum) entschieden. Wir werden im Winter wieder in unser Krafttrainingsprogramm starten, welches uns meiner Meinung nach von allen Teams im Stuttgarter Vereinsumfeld abhebt und auch Spitzenklasse in der GFL Juniors ist.

Scoprions: Seit März ist mit Andy Meyer ein Sportdirektor bei den Scorpions. Wie ist dein Austausch mit ihm?

Blase: Für uns war es denke ich ein Glücksfall, dass Andy im Frühjahr aus Mannheim nach Stuttgart kam. Wie sagt man so schön: des einen Freud ist des anderen Leid (lacht). Jemanden mit so viel Erfahrung und Expertise im deutschen American Football in den Verein zu holen ist immer ein Gewinn. Unser Austausch ist zur Zeit sehr eng, da Andy die Vision mitträgt, in Stuttgart langfristig ein nachhaltiges und erfolgreiches Football-Programm aufzubauen. Dies geht unserer gemeinsamen Meinung nach nur über eine starke, stabile Jugendarbeit, wie es ja auch schon ein anderes Programm in Baden-Württemberg ganz Footballdeutschland vorgemacht hat. Wir arbeiten jetzt daran, Stück für Stück die Weichen dafür zu stellen und den Unterbau der Jugendarbeit bei den Scorpions weiter auszubauen.

Scorpions: Das Team wird sich zur kommenden Saison verändern. Wem traust den Sprung ins GFL-Team zu? Wer kann vielleicht sogar den Sprung an ein College schaffen?

Blase: Das ist für mich das Schöne am Jugendfootball. Du hast im Endeffekt jedes Jahr ein Drittel neues Team und damit jedes Jahr eine neue Herausforderung. Wir geben dieses Jahr 33 Seniors hoch in die GFL, von denen ich denke, dass fast alle sich der Herausforderung der Herren-GFL erst einmal stellen werden. Die GFL hat dieses Jahr wieder einen großen Kader, und nur weil man vorher in der Jugend Bundesliga gespielt hat, ist man bei den Herren kein gesetzter Spieler! Alle Jungs müssen sich erst einmal beweisen und einen Spot verdienen. Wir haben aber auch einige Talente, die die Gelegenheit bekommen könnten, im nächsten Jahr den Sprung nach Übersee zu schaffen. Unser Cornerback Marcel Dabo und Wide Reciever Louis Geyer waren dieses Jahr mit Premier Players International und Brandon Collier auf der Dream Chaser Tour in den USA und haben einige College Camps besucht. Zusätzlich hat unser Wide Reciever Nico Wiedmann eine Einladung zum Combine der neu gegründeten NFL Academy in England bekommen. Natürlich wünsche ich allen unseren Athleten größtmöglichen Erfolg und dass sich ihre Footballträume erfüllen.

Scorpions: Ihr hattet zuletzt Besuch von Sebastian Vollmer und Jakob Johnson. Wie war das Training mit den beiden und was hast du beziehungsweise dein Team mitnehmen können?

Blase: Für unsere Kids war es natürlich ein riesiges Event! Ihre NFL-Idole live zu sehen und mit Jakob Johnson auch noch einen Spieler aus der NFL zu treffen, der wie sie durch das Jugendprogramm der Scorpions gegangen ist, ist aufregend. Natürlich bedeutet der ganze Medientrubel, dass das Training ein bisschen in der Priorität nach hinten rutscht, was mir als Coach natürlich gar nicht passt. (lacht) Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sebastian und Jakob am Ende vor unserem letzten Saisonspiel noch ein paar Worte an unser Team gerichtet haben und nochmal die Bedeutung des letzten Spiels für unsere ältesten U19 Spieler hervorgehoben haben. Jugendfootball zu spielen ist ein Privileg! Ähnlich wie die Zeit an der High School ist sie limitiert! Es geht nie wieder zurück, also warum nicht die Zeit nutzen und etwas besonderes daraus machen!

Scorpions: Sebastian, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir und deiner Mannschaft zunächst einmal eine erholsame Off-Season bevor es wieder in die Vorbereitung geht und freuen uns schon jetzt auf ein neues Jahr Scorpions-Jugendfootball.

Autor: SM

Fotos: Wolfgang Breuninger