Die Stuttgart Scorpions stehen gegen die New Yorker Lions Braunschweig vor ihrem ersten Playoff-Spiel seit 2015. Wie damals, als es gegen die Dresden Monarchs ging, nimmt das Team um Headcoach Jermaine Guynn auch morgen wieder klar die Rolle des Underdogs ein. Diese will die Mannschaft gegen den ungeschlagenen Nordmeister aus Braunschweig jedoch für sich nutzen und den großen Favoriten ärgern.

Nach vier Jahren ohne Playoffs scheint die Situation für die Stuttgarter verzwickt: Mit Braunschweig treffen die Scorpions auf ein Team, dass diese Saison noch keine Niederlage einstecken musste. Besonders stark ist beim Tabellenersten der GFL-Nordgruppe die Rushing Offense um Running Back Christopher McCledon. McCledon erläuft pro Spiel im Schnitt 105,4 Yards und führt damit die GFL an. Gemeinsam mit Back Up Meril Zero, der 65,8 Rush Yards pro Spiel erzielt, und Quarterback Brandon Connette, der am Boden durchschnittlich noch 52,9 weitere Yards pro Spiel erläuft, erzielen die Lions 233,9 Lauf Yards pro Partie. Keine einfache Aufgabe also für die Laufverteidigung der Scorpions, die statistisch gesehen mit dem Lauf Probleme hat. Dennoch wird Guynn einen Fokus darauflegen können, ist doch das Passspiel die größte Schwäche der Lions. Mit nur 177 Yards pro Spiel stellen die Braunschweiger den viertschlechtesten Passangriff der gesamten GFL. Zum Vergleich: Christian Bollmann ist mit 518 Yards der Receiving Leader der Braunschweiger. Bei den Scorpions wäre er damit nur auf Platz vier.

Doch auch der Scorpions Receiver-Corps geht geschwächt in das Spiel in Niedersachsen. US-Import Tyler Cooperwood reiste aufgrund einer Verletzung am Knie und Oberschenkel bereits frühzeitig wieder in die USA zurück. Ohne Cooperwood wird somit die Last im Passspiel der Scorpions auf die Schultern von Luca Faschian, Pascal Flöser und Co. verteilt werden. Den Stuttgarter Passempfängern steht dabei eine große Herausforderung bevor. Braunschweig erlaubte im Schnitt nur 173,4 Yards pro Spiel, was der zweitbeste Wert der GFL ist. Keine leichte Aufgabe also für Quarterback Michael Eubank und seine Offense, zumal Running Back Giacomo de Pauli auch auf die zweitbeste Run Defense der GFL (50,8 erlaubte Yards pro Spiel) trifft.

Dennoch geben die Auftritte der Stuttgarter Offense Hoffnung, dass eine Überraschung möglich ist. Gegen die Universe zeigte die Offense von Coordinator Rick Webster zu was sie fähig ist. Sollte sie diese Form wieder an den Tag legen, könnten sie die Braunschweiger ärgern – und damit auch ihre ehemaligen Teamkollegen. So haben Fullback Maximilian Merwarth und die beiden O-Liner Jan von Jürgensonn und Benhur Ayra noch vor einigen Jahren das Scorpions-Trikot getragen. So oder so ist die Fahrt nach Braunschweig für die Scorpions ein positives Erlebnis. Nach dem man letztes Jahr noch gegen den Abstieg gespielt hat, stehen die Schwaben zwölf Monate später in den Playoffs. Diesen Bonus kann das ganze Team also entspannt mitnehmen, hat es doch bei einem der Favoriten auf den German Bowl nichts zu verlieren.

Autor: SM

Fotos: Frank Baumert