GFL Vorschau 2013 – Stuttgart Scorpions sind heiß auf die neue Saison

Über sechs Monate ist es nun her, dass die Stuttgart Scorpions im Viertelfinale um die Deutsche Footballmeisterschaft auf recht ernüchternde Art und Weise ausgeschieden sind – bei den Kiel Baltic Hurricanes setzte es eine deutliche 22:70 Niederlage – doch nun, da die Winterpause auf die Zielgerade geht, ist die Enttäuschung darüber längst der Vorfreude auf die GFL-Saison 2013 gewichen. Und jeder im Lager des Clubs aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt brennt darauf, die Schmach von Kiel vergessen zu machen und zu zeigen, dass man nach wie vor zu den Spitzenteams in Deutschland gehört. Als Steuermann wird dabei erstmals seit 2008 nicht mehr Matthias Mecherlein fungieren, dieser trat im April von seinem Amt als Head Coach zurück, sondern der US-Amerikaner Paul Schudel, welcher im Frühjahr als Offensive Coordinator verpflichtet wurde. Fachlich sicherlich keine Verschlechterung, hat Schudel in seiner Vita doch solch renommierte Stationen wie die University of Michigan, die Ball State University und die University of Illinois stehen.

Wie im Sport üblich, hat sich im Laufe der Pause zwischen zwei Spielzeiten bei den Spielern die eine oder andere Veränderung ergeben und hier steht dem neuen Trainergespann – neben Schudel sind dies noch Andreas Mecherlein und Fikret Gülbahar – wohl die größte Herausforderung bevor, gilt es doch, den Verlust einiger Leistungsträger zu verkraften bzw. vergessen zu machen. Besonders groß ist der Aderlass dabei in der Defense, Safety Nico Göhner (nach Kiel), Defense Liner Kevin Phanor (USA) und Linebacker Ramon Hernandez (Holzgerlingen Twister) sind nicht mehr dabei, wenn die „Men in Red“ um Punkte kämpfen. Nicht zu vergleichen ist dies allerdings mit dem Verlust von Safety Florian Hansen, welcher im Februar im Alter von nur 20 Jahren aus dem Leben schied, was im ganzen Verein tiefste Trauer und Bestürzung hervor rief und sicher noch nicht ganz überwunden ist. Gleichzeitig rückte die gesamte Scorpions-Familie in diesen dunklen Tagen spürbar zusammen und vielleicht ist es dieser neugewonnene Zusammenhalt, der der Mannschaft in der kommenden Saison im einen oder anderen Spiel einen Schub verleiht.

Den prominentesten Abgang gilt es hingegen in der Offense zu verkraften: Running Back Patrick Scott wird 2013 nicht mehr zur Verfügung stehen, nachdem er in den letzten Jahren bereits regelmäßig von schweren Verletzungen gebeutelt wurde und so nicht mehr seine alten Stärken abrufen konnte, welche ihn über Jahre hin zu einem der besten deutschen Spieler auf seiner Position machten.

Neu auf der Waldau sind hingegen Offense Liner Jörn Fahrbach (Rhein-Neckar Bandits Mannheim), Defense End Corey Chapman (USA) und – als jüngster Neuzugang – Running Back Pushaun Brown (University of Maine). Dazu kommen mit Running Back Lukas Hitzker und Quarterback Martin Güney zwei vielversprechende Talente aus der Jugend, welche sicher alles in die Waagschale werfen werden, um die Tradition der herausragenden Eigengewächse fortzuführen. Abschließend gelang es den Verantwortlichen um den Vorstandsvorsitzenden Markus Würtele etliche bekannte Gesichter zurück in den Stuttgarter Stadtteil Degerloch zu lotsen – so werden Defense Back Jakob Said, Cornerback Luca Ulrich, Defense Tackle Julien Kerduff, Wide Receiver Donald A. Walker und Defense Back Julien Tipton in der kommenden Saison nach mehr oder minder langen Unterbrechungen wieder für die Scorpions auflaufen.

Glücklicherweise konnten die Scorpions auch etliche Leistungsträger weiterhin an sich binden – Spieler, die die Gegebenheiten in Stuttgart bestens kennen und so dem neuen Head Coach Schudel die Eingewöhnung sicher erleichtern werden. In der Offense zum Beispiel lenkt wie auch in der Vorsaison der US-Amerikaner Tom Schneider als Quarterback die Geschicke des Teams, während auf der Receiver-Position mit Lasse Ahlgrimm, Fabian Weigel und Matthias Scheuring Spieler zur Verfügung stehen, die ihr Können bereits hinlänglich bewiesen haben. Bei den Running Backs steht mit Tom Metzger ebenfalls ein altbekanntes Gesicht im Aufgebot und auch die Offense Line der Scorpions hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sie ihr Handwerk versteht. Namen wie Michael Messner, Joachim Steinhäuser, Kevin Ansu Yeboah und Nils Bilinski sind nicht nur den Football-Fans in Stuttgart ein Begriff.

In der Verteidigung können sich die Stuttgarter glücklich schätzen wieder auf die Dienstev on John W. Pike zurückgreifen zu können. Der Cornerback aus den USA geht ebenso wie Tom Schneider in sein zweites Jahr in der alten Welt, und ebenso wie sein Landsmann hat er in seinem ersten Jahr die Herzen der Schwaben im Sturm erobert. Nach wie vor hervorragend besetzt ist die Riege der Linebacker, mit Jasson Scott, Alexander Frey, Thomas Frach und Oliver Metzger werden gewiss etliche gegnerische Spieler auch in 2013 wieder unliebsame Bekanntschaft machen. Im Defensive Backfield steht mit Gabriel Kalus ein weiterer Leistungsträger neben Pike nach langer Verletzungspause wieder bereit, und die Defense Line kann weiterhin auf so bewährte Kräfte wie Daniel Mirus und Simonas Litvinas zurück greifen.

Verglichen mit dem Kader der Saison 2012 kommt man auf der Waldau nicht umhin zu erkennen, dass die Tiefe des Kaders gewiss nicht optimal ist und noch Luft nach oben besteht. Jedoch ändert dies nichts an der ehrgeizigen Zielsetzung, die Markus Würtele Mannschaft und Trainer mit auf den Weg gibt: Play-Off-Qualifikation mit Heimrecht im Viertelfinale, ergo Platz 1 oder 2 in der Südgruppe der German Football League (GFL) soll es sein. Angesichts der Stärke der Konkurrenz, z.B. aus Schwäbisch Hall, Marburg und Mannheim gewiss ein gewagtes Ziel, andererseits kann ein Mittelfeldplatz nicht der Anspruch eines Traditionsclubs, wie die Scorpions es einer sind, sein.

Ein großes Augenmerk legt der Vorstand um Würtele und seine Mitstreiter Gerd Hansen, Lukas Dembek, Benhur Ayra und Ute Zielke, auch weiterhin auf die Rahmenbedingungen abseits des Feldes. So konnte der Verein in den jüngsten Jahren finanziell auf gesunde Beine gestellt werden und bei der Infrastruktur sollen für die stetig wachsenden Anzahl der Mitglieder, in Zusammenarbeit mit den bewährten Partnern des Vereins, nach und nach idealere Bedingungen geschaffen werden.

 

Nicht zuletzt des Trainerwechsels von Matthias Mecherlein zu Paul Schudel hin geschuldet, verlief die Vorbereitung auf die neue Saison manchmal holpriger als es den Scorpions lieb war, doch scheint der Verein auf dem richtigen Weg zu sein in eine stabile und gesicherte Zukunft. Ein nicht zu unterschätzender Wert in der heutigen Welt des Sports.